Sonntag, 20. November 2016

Heute ist Sylvester...

...der letzte Sonntag im Kirchenjahr.

Moin zusammen,

so schnell geht ein Jahr vorbei. Vieles ist geschehen. Fröhliches und Trauriges,  Wichtiges und Unwichtiges. All das haben wir erlebt, weil Jesus noch nicht zurückgekommen ist. Dabei warten wir Christen doch darauf. Oder doch nicht?

Fröhliche Grüße
Bernd



Lieber Vater, schenk uns ein Herz für dein Wort und dein Wort für unser Herz. Amen

Liebe Gemeinde,

„Aufmerksamkeit ist das Leben“ hat Goethe in Wilhelm Meisters Wanderjahren geschrieben.

Ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom haben nach neueren Studien ca. 50% aller Kinder und Jugendlichen und vermutlich noch mindestens 3% aller Erwachsenen.

Was entgeht mir im Leben, wenn ich nicht aufmerksam bin? Welche Schwierigkeiten birgt das vielleicht?
Vielleicht kann uns der heutige Predigttext da weiter helfen.

Matthäus 25, die Verse 1-13. In der neuen Lutherübersetzung.

Von den klugen und törichten Jungfrauen

1 Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen.

2 Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug.

3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit.

4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen.

5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.

6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!

7 Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig.

8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.

9 Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zu den Händlern und kauft für euch selbst.

10 Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen.

11 Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf!

12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.

13 Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.

Wir haben heute Ewigkeitssonntag, den letzten Sonntag des Kirchenjahres. An vielen Stellen gibt es einen Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen. Und wir hören hier von einer Hochzeit, vom kommenden Himmelreich. Passt das zusammen?

Ich finde ja. Gedenken an die Verstorbenen, Erinnerung an die gemeinsamen guten und schlechten Zeiten, Dankbarkeit für das gemeinsam Erlebte, Trauer über das ‚nicht mehr miteinander Teilen können’. Das gehört zusammen mit den Gedanken über die Zukunft des eigenen Lebens, des ‚wie geht es weiter’, ‚worauf hoffe ich noch’. Und erst Recht gehört es zusammen mit dem Himmelreich.

Jesus nimmt hier, wie so oft, ein bekanntes damaliges Alltagsritual als Grundlage für seine Erklärungen über den Glauben und dessen Inhalte.

Zu einer jüdischen Hochzeit gehörte es, dass zehn Brautjungfern mit der Braut zusammen auf den Bräutigam warten. Traditionell war es nämlich so, das der Bräutigam die Braut zur Zeremonie abholte. Wann das genau geschah war nie klar. Auf Grund der großen Tageshitze konnte es durchaus sein, dass die Braut erst in der Dunkelheit abgeholt wurde. Daher rüsteten die Brautjungfern sich auch mit Öl und Fackeln aus. Kam der Bräutigam, dann ging es unter dem Fackelschein der Brautjungfern zurück zum Haus des Bräutigams, die Tür wurde geschlossen, die letzten Hochzeitsgäste waren schließlich angekommen und die Feier konnte beginnen.

Dieses Bild nutzt Jesus jetzt. Er erklärt damit das Himmelreich und wie man hineinkommt.

Töricht und klug nennt Jesus die Brautjungfern. Zumindest in der Lutherübersetzung. In der Guten Nachricht hört sich das etwas anders an. Da wird von klugen und von gedankenlosen Brautjungfern gesprochen. Ich finde, das klug und töricht auch mit vorbereitet und unvorbereitet oder aufmerksam und unaufmerksam übersetzt werden können. Dazu gibt es viele Schattierungen, die die beiden Wörter noch beschreiben können. Es gibt eben nicht nur klar das eine oder klar das andere. Viele Grautöne sind dazwischen. Auch wenn es manchmal angenehm wäre genaue Unterscheidungen zu treffen.

So gibt es auch zwei Auslegungsmöglichkeiten zum heutigen Text. Die eine betrifft die Juden. Ganz konkret die, die zur Zeit Jesus lebten. Da hat ihre gesamte Geschichte sie auf das Kommen von Jesus vorbereitet. Gott hat ihnen alle erdenklichen Hilfestellungen gegeben. Und dann erkennen die meisten Juden Jesus nicht als den Gottessohn, als den Messias. Sie sind wie die törichten Brautjungfern, die zum entscheidenden Zeitpunkt nicht mehr genug Öl haben. Und mal eben neues holen, mal eben Gotteserfahrung auffrischen, geht jetzt nicht mehr. Und so stehen sie eben vor verschlossener Tür. Dürfen an der Hochzeit, am Himmelreich nicht teilhaben. Aus und vorbei.

Jesus nimmt kein Blatt vor den Mund, setzt sich in die Nesseln, eckt an mit seinen Aussagen. Deshalb wollen die politischen und religiösen Führer ihn ja auch loswerden.

Soweit eine Auslegung für die damalige Zeit.
Viel wichtiger ist aber, was der Text uns heute zu sagen hat. Ich habe eingangs gefragt: Was entgeht mir im Leben, wenn ich nicht aufmerksam bin? Welche Schwierigkeiten birgt das vielleicht? Und das vielleicht der Predigttext dabei helfen kann Antworten zu finden.

Für mich ist der Bibeltext ein guter Ausdruck für mein christliches Leben. Für mein Leben mit Jesus. Wie die zehn Jungfrauen auf den Bräutigam warte ich darauf, dass Jesus wiederkommt. Dabei wechsle ich allerdings ganz oft die Seiten. Mal gehöre ich zu den klugen Brautjungfern, mal zu den törichten. Mal bin ich vollkommen aufmerksam, mittendrin statt nur dabei, mal aber eben unaufmerksam, weitab vom Geschehen, teilnahmslos.

Geht euch das auch so? Ja? Dann kann ich ja aufatmen. Ich bin nicht allein mit meinen vielen Anfragen. Nicht nur eine Brautjungfer mit zwei Ausprägungen, sondern viele Brautjungfern, sprich Mitchristen, an meiner Seite.

Wie schön war und ist es doch zu Beginn des Christseins. Endlich habe ich verstanden, dass Jesus Herr  meines Lebens ist. Dass er mich im Leben nicht einengt und bevormundet, sondern im Gegenteil frei macht von den Zwängen, in denen ich gefangen bin, mir die Chance schenkt, würdevoll und anerkannt mein Leben zu gestalten. Es ist keine Frage für mich seinen Ratschlägen zu folgen, mir an seinen Taten ein Beispiel zu nehmen. Es ist auch keine Frage für mich, ob er wieder kommt, sondern nur die Frage, wann das sein wird. Bis dahin will ich ihm nachfolgen. Wie die klugen Brautjungfern warte ich mit Fackeln und einem ausreichenden Vorrat an Öl. Meine Fackeln sind Gemeinschaft mit Christen, Reden mit Gott, mein Vorrat besteht aus der Bibel, dem Wort Gottes und dem regelmäßigen Nachdenken darüber. Ich habe überhaupt keine Bedenken, das ich die Ankunft des Bräutigams, Jesus Ankunft, verpassen werde. Alles ist gut und voller Vorfreude auf das große Fest, das dann folgen wird.

Und solange es in meinem Leben hell ist klappt das auch gut. Vielleicht sogar sehr gut. Aber dann zieht doch die Dunkelheit auf. Nicht nur beim Warten auf den Bräutigam, auch in meinem Leben. Es gibt Schicksalsschläge. Krankheit, Verlust, Tod. Und auch wenn zunächst der Glaube hilft, manchmal wird es dann doch zu viel. Und das Gebet nimmt ab, die regelmäßige Bibellese entfällt, Menschen in der Gemeinde können auch nicht weiterhelfen. Und dann erlischt die Fackel, der Vorrat ist aufgebraucht.

Dann gibt es Zeiten, in denen ist es scheinbar noch hell. Mein Leben ist im Fluss. Vieles gelingt. Mein Lebensentwurf passt einfach. Nichts Außergewöhnliches vielleicht, gelingender Alltag halt. Ehe, Familie, Arbeitsplatz. Jeder von euch mag hier einsetzen, was für ihn zutrifft. Keine allzu großen Probleme auf jeden Fall. Aber Stück für Stück entferne ich mich in meinem Glauben von Gott. Stück für Stück baue ich mir meine eigene Bibel. So wie Thomas Jefferson, der amerikanische Präsident, der Verse aus der Bibel ausschnitt und zu seiner eigenen Bibel zusammenstellte. Ich übersehe dabei aber viele Dinge, die Gott mit mir vor hat, da mir seine Anfragen nicht mehr in den Sinn kommen. Auch hier erlischt die Fackel, wird der Vorrat aufgebraucht.

In beiden gerade geschilderten Lebensläufen hat sich etwas verschoben. Von dem aufmerksamen, neugierigen, wissbegierigen Menschen, der gerade Christ geworden ist, habe ich mich entwickelt zu einem gedankenlosen, trägen, teilnahmslosen Menschen, der kaum noch etwas von dem Feuer des Glaubenanfangs in sich trägt. Zu einem Menschen, der sein Leben nicht mehr in Verbindung zu Gott sieht, sondern sein eigenes Erleben in den Vordergrund stellt und meint, er wisse es besser als Gott, wie Leben zu gestalten ist.

Vielleicht haltet ihr diese beiden Lebensläufe für überzeichnet. Natürlich sind sie überzeichnet. Aber ich denke ihr könnt nachvollziehen, wie Leben aussieht. Mit allen Höhen und Tiefen. Auch mit dem mal von Gott entfernt sein und mal ganz nah dran sein. Leben verläuft eben nicht immer geradlinig. Es gibt Brüche, aber auch Brücken. So wie sich Regen und Sonne abwechseln, so wechseln auch gute und weniger gute Zeiten sich in unserem Leben ab. Es ist sehr, sehr selten, dass Menschen immer nur Gutes erleben. Genau so wenig, wie sie nicht immer nur Schlechtes erleben.

Das Gute daran ist: Jesus weiß genau, wie er damit umzugehen hat. Und er weiß, was er mir zumuten darf. Dabei nimmt Jesus kein Blatt vor den Mund, setzt sich in die Nesseln, eckt an mit seinen Aussagen. Nicht nur zur damaligen Zeit, sondern auch heute. So wie er damals die zwei Sorten von Brautjungfern vorstellt und den Machthabern etwas mitteilt, so sagt er heute damit auch etwas: Bleibe an Gott dran. Höre auf sein Wort. Folge mir nach.
Vor allem aber sagt er: Mache das jetzt. Nicht irgendwann später. Jetzt ist die Zeit mir nachzufolgen.

Die Brautjungfern erfahren das auch. Zumindest die gedankenlosen, törichten. Sie haben keine Chance mehr Öl nachzukaufen, bekommen auch nichts von den anderen ab. Teilen gibt es nicht mehr oder besser teilen geht jetzt nicht mehr. Nachfolge Jesu kann nur ungeteilt geschehen. Jeder Mensch muss das persönlich wollen. Auf die Nachfolge anderer Christen zurückzugreifen geht eben nicht. Ich kann mir zwar von anderen Christen etwas abgucken, kann mit ihnen im Gespräch über Glauben sein. Aber Nachfolge selber muss ich leben. Ich muss bedingungslos Ja zu Jesus sagen. Es gibt kein Stellvertreter Ja. Kinder, die getauft wurden, bekräftigen das Ja ihrer Eltern für sie, am Tag der Konfirmation. Sie machen sich fest an Gott. Persönlich.

Wenn ich also nicht zu den törichten Brautjungfern gehören möchte, zu den Menschen, die sich immer mehr von Gott entfernen, dann muss ich dafür Sorge tragen, das mein Vorrat an Öl, also mein Glaubensleben immer aufgefüllt ist.
Wie das genau aussieht? Eine allgemeingültige Antwort wäre schön, aber die gibt es nicht. Jesus hat für jeden von uns einen anderen Lebensweg. Dementsprechend gibt es auch unterschiedliche Möglichkeiten, den Vorrat zu füllen. Ich persönlich denke, dass Gemeinschaft mit Christen unabdingbar ist. Der Austausch über Gottes Wort, das gemeinsame Erleben sind Grundlagen meines eigenen Glaubenlebens. Dazu gehört die Wertschätzung untereinander. Auch wenn wir manchmal unterschiedlicher Meinung sind, wenn nicht alles harmonisch ist, es ist toll zu wissen, das andere Christen da sind, die sich mit mir darauf einlassen möchten Jesus nachzufolgen. Dafür möchte ich danke sagen. Vor allem meiner Frau und meinen Hauskreisbrüdern.

Vielleicht ist das ja auch etwas für einige unter euch. Wem möchtet ihr danken? Wofür? Und dann macht das auch ruhig mal. Sagt danke denen, die euch im Glauben weiterbringen. Keine Angst, das muss jetzt nicht auf der Stelle hier im Gottesdienst sein. Aber vielleicht im Anschluss, in den kommenden Tagen.

Dank sagen will ich auch Gott. Mit ihm reden über das, was ich vielleicht nicht verstehe, über das, was mir das Leben angenehm macht. Gebet sagen wir dazu. Das muss nicht immer ellenlang sein, muss nicht an Ort oder Zeit gebunden sein. Es kann fast wortlos sein, mit eigenen Worten oder mit vorgefertigten. Ein Psalm oder das Unser Vater zum Beispiel. Danke Herr, dass Du mir Menschen an die Seite stellst, die mich weiterbringen auf dem Weg mit dir.

Vielleicht ist auch das etwas für einige unter euch. Was möchtet ihr vor Gott bringen? Vielleicht schreibt ihr es mal auf, nach dem Mittagessen heute zum Beispiel. Und dann redet ihr mit Gott. Beim Abwasch, beim Kaffee oder in eurem Lieblingssessel.

Das waren zwei Ideen euren Ölvorrat aufzufüllen. Und bestimmt kommen euch noch viele andere Ideen.

Doch bei allen Ideen. Das Wichtige dabei ist, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Es geht nicht um die Vorratshaltung alleine. Die ist nur Mittel zum Zweck, Mittel zum Himmelreich.

Wenn wir nämlich nicht in der Nachfolge bleiben, dann bleibt uns das Himmelreich verschlossen. Das klingt hart, aber es ist das, was Jesus uns im Predigttext sagt. „Die Tür wurde verschlossen. Ich kenne euch nicht.“ Jesus ist Realist. Er redet nicht um den heißen Brei herum. Wichtig daran ist: er sagt das nicht wertend. Nirgends wird von ihm gesagt: „Du bist es nicht wert dabei zu sein“ oder „Du hast nicht genug geleistet für das Himmelreich“. Er unterscheidet auch nicht nach ‚klugen’ oder ‚törichten’ Menschen. Nein, nichts davon sagt er. Er stellt nur fest, das es ein ‚zu spät’ gibt. Ein ‚zu spät’, das ganz einfach zur Seite geschoben werden kann: „Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“

Machen wir uns bewusst, dass Jesus kommt. Und da wir nicht wissen, wann das sein wird, sollen wir so leben, dass wir nichts vor uns herschieben. Vor allem nicht unser Ja zu Gott. Dazu fordert Jesus uns auf. Zu mehr nicht, aber auch nicht zu weniger.

Machen wir uns bewusst, dass Jesus kommt. Denken wir daran, dass Jesus kommt. Bei allen Plänen, die wir für unser Leben noch haben. Bei jeder Urlaubsplanung, jedem Vorsorgeplan, ja sogar bei jeder Einkaufsliste. All das kann durchkreuzt werden von Jesus. Weil er kommt. Wir wissen weder Tag noch Stunde. Was wir wissen haben wir in der Lesung gehört (Offb. 21, 4). „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“ Das ist doch eine Perspektive, eine Hoffnung, eine Gewissheit für die es sich lohnt die eigene Planung einstampfen zu müssen.

Also: nehmen wir uns die klugen Brautjungfern zum Vorbild. Lassen wir uns von ihnen inspirieren für unser Glaubensleben. Leben wir unseren Glauben bewusster und öffentlicher.
Aber vor allem: rechnen wir mit dem Kommen von Jesus. Jederzeit.

Maranatha – Unser Herr, komm!

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus unseren Herrn.