Sonntag, 24. Juni 2018

Wunderschöne Tour zum Rubihorn

Moin zusammen,

eine Wanderung von Reichenbach über den Gaisalptobel, die Richteralpe und dem unteren Gaisalpsee zum Rubihorn.

13,19 km, 1080 Höhenmeter in gemütlichen 10,75 h mit vielen Pausen.

Trittsicherheit, Kondition und etwas alpine Erfahrung ist sinnvoll. Bis kurz vor der Scharte, von der es nach rechts in 15 min zum Gipfel geht, ist der Weg auch für trittsichere Anfänger gut begehbar. Dann folgt eine kurze Kletterpartie mit Drahtseilsicherung. Hinter der Scharte ist die Schlüsselstelle für Menschen, die nicht gerne in die Tiefe sehen.

Das alles ist hier zu sehen:  https://youtu.be/KamBXIsXBjY

Fröhliche Grüße
Bernd


Mittwoch, 11. April 2018

Protest hat Erfolg

Moin zusammen,

im November letzten Jahres habe ich an dieser Stelle etwas über die Aktion JA zum Alpenplan geschrieben.
Seit ein paar Tagen ist der Beschluss zum Riedberger Horn und der damit verbunden Skischaukel zwischen Balderschwang und Grasgehren aufgehoben worden. Zumindest für die nächsten zehn Jahre.

Im Kreisboten Sonthofen gibt es folgenden Artikel dazu:
https://www.kreisbote.de/lokales/sonthofen/soeder-verkuendet-ueberraschende-wende-umstrittenen-projekt-9756020.html

Auch der Deutsche Alpenverein berichtet darüber:
https://www.alpenverein.de/der-dav/presse/presse-aktuell/keine-neuerschliessung-am-riedberger-horn_aid_31396.html

Mal schauen, wie sich das Gebiet rings um das Riedberger Horn in den nächsten Jahren entwickeln wird. Ich bin gespannt.

Mit fröhlichen Grüßen
Bernd


Sonntag, 8. April 2018

Badewannenhochbeet


Moin zusammen,

Upcycling ist derzeit total in. Ein Hochbeet natürlich auch. Warum nicht beides verbinden.

Ich zeige euch den Bau eines Hochbeets aus einer alten Badewanne.


Ihr braucht dazu lediglich...

...eine alte Badewanne mit einem Abflussloch (oder ein paar Löcher in den Boden bohren)

...ein altes Bettlaaken (wahlweise T-Shirts oder ähnliches)

...etwas Maschendraht in Länge und Breite der Badewannne

...ca. 220 l Pflanzerde

...etwas altes Astwerk

...gut dreißig Minuten Zeit


Und schon kann es losgehen.


Viel Vergnügen beim Nachbauen

Fröhliche Grüße

Bernd


Samstag, 31. März 2018

Osterlachen

Moin zusammen,

Ostern ist der Freudentag für mich als Christ. In Lk 6, 21 steht "Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen."

An Ostern weiss ich , dass ich lachen darf und werde. Aus vollem Munde, lauthals, völlig losgelöst. Vor lauter Freude über die Auferstehung Jesus Christus.

Aus diesem Lachen ist vor vielen Jahrhunderten in der katholischen Kirche das Brauchtum des Osterwitzes entstanden. Auch in vielen evangelischen Gemeinden hat sich dieses Brauchtum entwickelt.

Der Deutschlandfunk hat dazu einen guten Artikel in seinem Archiv: Ostern - wenn die Hoffnung zu lachen beginnt.

Passend auch folgender kölsche Osterwitz:

Tünnes und Schäl haben in der Wirtschaft die ganz Nacht durchgesoffen. Auf dem Weg nach Hause sagt der Tünnes: „Kumm, Schäl, isch kenn enn Avkürzung, mir jonn üver Melaten…“ (den schönen alten Friedhof in Köln).
Mitten auf Melaten angekommen verfallen beide in den seeligen Schlaf der Betrunkenen. Als es schon hell wird wacht der Tünnes auf und schaut sich um: Hier ein Grab, dort ein Grab, hunderte Gräber – nichts als Gräber!
Da wird der Schäl wach und fragt: „Tünnes, watt iss loss?!“ „Watt loss iss, kann isch Dir sagen: Auferstehung!, wir zwei sind die Ersten!“

Fröhliche Ostergrüße
Und immer dran denken: Der HERR ist auferstanden! ER ist wahrhaftig auferstanden!
Bernd




Sonntag, 18. März 2018

Mutter Maria und der besonders geliebte Jünger

Moin zusammen,

Passionszeit ist (auch) Leidenszeit. Wo wird das deutlicher als unter dem Kreuz.
Aber Passionszeit ist (auch) Vorbereitungszeit. Jesus selbst bereitet vor. Zum Beispiel das künftige Leben seiner Mutter und des von ihm besonders geliebten Jüngers.

Fröhliche Grüße
Bernd


Lieber Vater, schenk uns ein Herz für dein Wort und dein Wort für unser Herz. Amen

Liebe Gemeinde,

Sartre soll an seinem Sterbebett verzweifelt „Ich bin gescheitert“ ausgerufen haben. Brecht wollte wohl mit allen um ihn herum nichts mehr zu tun haben und rief „Laßt mich in Ruhe!“ Beethoven wiederum hatte wohl eine Komposition vergessen niederzuschreiben und so wird von ihm berichtet, das er „Schade, schade, zu spät!“ ausrief. Und dem alten Goethe wird nachgesagt, das er „Mehr Licht“ haben wollte. Aber vielleicht hat man auch sein hessisch nicht verstanden und er hat „Mer liecht hier schlecht“ gemurmelt.

All das sind sogenannte famous last words, also berühmte letzte Worte.

Die letzten Worte von Jesus sind diesen Monat Thema unserer Predigtreihe. Bisher haben wir dazu Worte aus Lukas 23 gehört. An die Soldaten, die Jesus kreuzigen und um seine Kleider spielen richtet er die Worte: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Seinem Mitgekreuzigten verspricht er: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Und im heutigem Text aus Johannes 19, 26+27 sind es seine Mutter und der Jünger, den er lieb hat, die er anspricht.
Hier in der Neuen Genfer Übersetzung.

26 Als Jesus seine Mutter sah und neben ihr den Jünger, den er besonders geliebt hatte, sagte er zu seiner Mutter: »Liebe Frau, das ist jetzt dein Sohn!«

27 Dann wandte er sich zu dem Jünger und sagte: »Sieh, das ist jetzt deine Mutter!« Da nahm der Jünger die Mutter Jesu zu sich und sorgte von da an für sie.

Drei Gedanken dazu.
Mutter Maria

Was muss in Maria vorgehen. Da stirbt ihr Sohn dort am Kreuz. Natürlich weiß sie, dass es in erster Linie Gottes Sohn ist. Aber sie hat ihn unter Schmerzen auf die Welt gebracht, hat ihn gestillt, gewickelt, seine ersten Schritte und Worte begleitet. Kann es für ein Mutter Schlimmeres geben als ihr eigenes Kind sterben zu sehen?

Sie hat sich dieses Kind nicht ausgesucht, sie wurde ausgesucht, erwählt. Ungefragt und unvorbereitet.

Sicherlich wusste sie um ihre Aufgabe. Der Engel Gabriel hat es ihr gesagt. Sie selber hat in ihrem bekanntem Lobgesang Gott zugejubelt „Ja, man wird mich glücklich preisen - jetzt und in allen kommenden Generationen.“ Lk 2,48. Aber kann dieses Wissen wirklich den Schmerz lindern, der in diesem Moment in ihr ist?

Der Sohn am Kreuz. Er ist bald tot. Und nicht nur der Sohn, auch die Verheißungen Gottes scheinen mit einem Mal zu sterben. Aus und vorbei.

Ist es ein Trost, wenn Jesus jetzt zu seiner Mutter sagt: „Liebe Frau, das ist jetzt dein Sohn!“? Kann es ein Neuanfang für Maria sein? Ein neuer Sohn für sie. Eine neue Familie. Und damit auch ein neuer Lebensabschnitt. Vielleicht auch ein neuer Weg voller Gottvertrauen, ein neuer Weg mit neuem Lobgesang. In Apg. 1, 14 wird schließlich berichtet, „Sie alle [die Jünger] beteten anhaltend und einmütig miteinander. Auch eine Gruppe von Frauen war dabei, unter ihnen Maria, die Mutter von Jesus; Jesu Brüder gehörten ebenfalls dazu.

Lange Jahre aber gehörte Maria nicht zum engsten Menschenkreis um Jesus. Sie trafen sich zwar auf der Hochzeit zu Kana in Galiläa, sprechen dort auch miteinander und Maria war sogar Auslöserin für das erste Wunder, Wasser in Wein zu verwandeln. Aber sonst hatten sie in der Zeit von Jesus öffentlichem Wirken nichts miteinander zu schaffen. „Denn wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder, meine Schwester und meine Mutter.“  Blutsbande spielen für Jesus keine Rolle.

Maria wird unter dem Kreuz durch Jesus selbst aufgenommen in die erste Christengemeinde. Zu Jesus, oder besser zu Gott, hat Maria aber schon vorher gehört. Sie hat ihm vertraut und auch deshalb hat sie Jesus, als Sohn Gottes, seinen Weg gehen lassen können. Auch wenn es ihr oft schwer gefallen ist. Kurz nachdem Jesus seine Jünger berufen hat wird uns in Mk 3,21 von der Reaktion seiner Familie darauf berichtet: „Als seine Angehörigen das erfuhren, machten sie sich auf, um ihn mit Gewalt zurückzuholen. Sie waren überzeugt, dass er den Verstand verloren hatte.“ Unverständnis und Zweifel haben die ganzen Jahre über zu ihrer Lebensgeschichte, zu ihrem Glauben dazu gehört.

Mutter Maria. Die Frau, die Jesus ein Leben lang begleitet hat. Auf die unterschiedlichste Art und Weise. Eifrig anpackend, still betend, kopfschüttelnd über manche seiner Taten.
Mutter Maria. Die Frau, die jetzt zum zweiten Mal einen Sohn per Gottesweisung bekommen hat.

Besonders geliebter Jünger

Und was geht in dem besonders geliebten Jünger vor? Für ihn muss doch gerade ebenfalls eine Welt zerbrechen. Da ist er lange Zeit mit Jesus durch das Land gezogen. Hat mitbekommen und (größtenteils) verstanden, was der Gottessohn den Menschen zu sagen hat. Er war beteiligt an der berühmten Bergpredigt. Hat Wunder mit eigenen Augen gesehen. Und jetzt sieht er den Messias jämmerlich am Kreuz sterben. Das tut weh. Das schmerzt. Alle Hoffnung mit einem Schlag vernichtet.

Oder vielleicht doch nicht? Hat Jesus nicht selbst gesagt: „Ja, vom Vater gesandt, bin ich in die Welt gekommen. Und jetzt verlasse ich die Welt wieder und gehe zum Vater zurück.“ (Joh 16, 28)
Und hat er nicht für sie gebetet, ist in der Fürbitte eingetreten für sie vor Gott: „Für sie bete ich. Ich bete nicht für die Welt, sondern für die, die du mir gegeben hast; denn sie sind dein Eigentum.“ (Joh 17,9).

Mitten in diese Gedanken hört der besonders geliebte Jünger Jesus zu sich sprechen: „Sieh, das ist jetzt deine Mutter!
Deine Mutter. Diese Frau da neben ihm. So lange war Jesus mit seinen Jüngern seine Familie. Von seiner eigenen hat er sich losgesagt, hat sie verlassen, weil Jesus wichtiger war. Und jetzt schenkt dieser ihm eine neue Mutter.

Mit ihr teilt er sich also sein künftiges Leben. Haben die beiden auch eine gemeinsame Vergangenheit? Können sie sich zusammen erinnern? An das Leben mit Jesus. Seine Geschichten, seine Berührungen, seine Charakterzüge. Es wäre doch schön, die Vergangenheit gemeinsam in Erinnerung zu rufen und daraus für die Gegenwart und Zukunft Kraft und Glaube zu ziehen. Auch wenn Mutter Maria und der besonders geliebte Jünger unterschiedliche Lebenswege gegangen sind, so eint sie doch die Erinnerung an Jesus. Die beiden eint der Glaube.

Und wenn sie Erinnerungen austauschen können, dann können sie auch gemeinsam den Schmerz tragen, der angesichts des Kreuzes in ihnen tobt. Miteinander trauern, Leid teilen, sich gegenseitig stützen. Eine gemeinsame Zukunft steht ihnen offen. Jesus schenkt sie. Und zwar zum genau richtigen Zeitpunkt. Auch wenn die Jünger über einen längeren Zeitraum hinweg von Jesus auf genau diesen Moment vorbereitet wurden, Mutter Maria war es nicht. Aber genau darin können sie sich ergänzen. Lernen, mit der neuen Situation umzugehen. Gemeinsam und nicht allein.

Interessanterweise soll das im Rahmen der Familie geschehen. Als Mutter und Sohn. Füreinander sorgen mit den unterschiedlichen Befähigungen. Auch hier gilt: Familie kann man sich nicht aussuchen. Jesus fügt sie zusammen. Gottes Familie entsteht.

Besonders geliebter Jünger. Der Mann, der Jesus einen Teil seines Lebens begleitet hat. Lernbereit, zuhörend, geliebt.
Besonders geliebter Jünger. Der Mann, der jetzt der neue Sohn der Mutter Maria sein soll.

Du und ich

Was haben diese letzten Worte von Jesus aber jetzt mit uns zu tun?

Mutter Maria und der besonders geliebte Jünger. Beide suchen Trost in der schwierigen Situation unter dem Kreuz. Sie drücken ihren Schmerz auf unterschiedliche Art und Weise aus.

Zwei Menschen, die vermutlich jeweils eine andere Form der Schmerzbewältigung benötigen. Ginge es Dir und mir anders? Vermutlich nicht. Wir trauern bestimmt auch auf unterschiedliche Art und Weise. Mal tränenreich, mal still in sich gekehrt, mal mit lautem Zorn. Und wir sind bestimmt froh, wenn es dann jemanden gibt, der uns zur Seite steht. Der unsere Art von Trauer aushalten kann. Das geht meistens dann sehr gut, wenn sich auf den anderen eingelassen wird. Dieses Einlassen ist Trost. Für den anderen da sein ist Trost. Deshalb sollten wir uns ermutigen lassen, für den anderen da zu sein. Wie es auch in unserem Gemeindemotto vorkommt: Für Menschen da sein.

Mutter Maria und der besonders geliebte Jünger. Beide haben unterschiedliche Erfahrungen mit Jesus gemacht. Sie haben unterschiedliche Zeitabschnitte ihres Lebens mit ihm verbracht.
Und genauso geht es Dir und mir doch auch. Aus unterschiedlichen Situationen sind wir zu Gott gekommen. Haben Ja zu ihm gesagt. Mal im Kindesalter, mal als Jugendlicher, mal im Erwachsenenalter. Wir gewinnen in unserem persönlichen Glauben durch die Glaubenserfahrung anderer Gemeindeglieder. Wir gewinnen durch den Austausch dieser Erfahrungen. Deshalb lasst uns mehr über unsere Glaubens- und Gotteserfahrungen sprechen.

Mutter Maria und der besonders geliebte Jünger. Beide kennen verschiedene Formen oder besser Entwicklungen von Familienleben.
Auch das ist Dir und mir nicht fremd. Die sogenannte klassische Form der Familie mit Mutter, Vater, Kind(ern) gibt es kaum noch. An ihre Stelle sind Patchworkfamilien getreten, Regenbogenfamilien oder welche Namen es mittlerweile alles dafür gibt. Auch Gemeinde gilt oft als ‚eine große Familie’. Was aber auf alle diese Formen zutrifft ist, wie schon erwähnt: Familie kann man sich nicht aussuchen. Entscheidend dabei ist immer, das Du und ich innerhalb dieses Konstrukts Familie als das anerkannt werden, was wir sind: von Gott geliebte Kinder.

Mutter Maria und der besonders geliebte Jünger.

26 Als Jesus seine Mutter sah und neben ihr den Jünger, den er besonders geliebt hatte, sagte er zu seiner Mutter: »Liebe Frau, das ist jetzt dein Sohn!«

27 Dann wandte er sich zu dem Jünger und sagte: »Sieh, das ist jetzt deine Mutter!« Da nahm der Jünger die Mutter Jesu zu sich und sorgte von da an für sie.

Du und ich. Die Menschen, die Gott zu seiner Familie zusammengefügt hat.
Du und ich. Die Menschen, denen Gottes Worte gelten.

Lassen wir uns von diesen Worten ansprechen. Sorgen wir füreinander. Seien wir einander Mutter und Sohn im übertragenen Sinn.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus unseren Herrn.

Sonntag, 28. Januar 2018

Lasst uns auf Regenbogensuche gehen


Moin zusammen,

wir sind eine Gesellschaft, die an alle Menschen höchste Ansprüche stellt, aber, so kommt es mir vor, regelmäßig an diesen scheitert und nicht mehr weiß, wie mit diesem Scheitern umzugehen ist.

Und in der Sintflutgeschichte können wir herausfinden, wie wir damit umgehen können.

Fröhliche Grüße
Bernd



Lieber Vater, schenk uns ein Herz für dein Wort und dein Wort für unser Herz. Amen

Liebe Gemeinde,

kennt ihr den Mann, von dem es in der Bibel heißt „Der wird uns Erleichterung verschaffen bei all der harten Arbeit und mühseligen Plackerei auf dem Acker, den Gott verflucht hat!“ (1. Mo 5, 29). Den Mann, der von seinem Vater ‚Ruhe’ genannte wurde.

Bestimmt ist euch dieser Mann bekannt. Zumindest unter dem Namen ‚Noah’. Über ihn heißt es: „Noah war ein rechtschaffener Mensch…Er ging seinen Weg mit Gott und hörte auf ihn.“ (1. Mo 6, 8). Und das in einer Zeit, als „die übrige Menschheit aber vollkommen verdorben, die Erde erfüllt von Gewalt war. Wohin Gott auch sah: Überall herrschte Unrecht, denn die Menschen waren alle vom rechten Weg abgekommen.“ (1. Mo 6, 11f)

Da hat Gott gerade die Welt erschaffen, hat alles als sehr gut befunden und letztendlich den Menschen geformt. Und zehn Generationen weiter, wenn wir den Stammbaum von Adam bis Noah zu Grunde legen, „sah [der HERR], dass die Menschen voller Bosheit waren. Jede Stunde, jeden Tag ihres Lebens hatten sie nur eines im Sinn: Böses planen, Böses tun. Der HERR war tieftraurig darüber und wünschte, er hätte die Menschen nie erschaffen.“(1. Mo 6, 5f). Deshalb will er sie wieder vernichten. Nicht als Strafe, sondern als logische Folge der Verderbtheit. „Nur Noah fand Gnade beim HERRN.“ (1. Mo 6, 8).

Es folgt die Geschichte von der Sintflut. Die scheinbar unmögliche Arche, der Bund mit Noahs Familie, die Tiere, die alle mitdürfen (übrigens sind es je nach Übersetzung immer ein Paar oder je ein Paar von den unreinen und je sieben Paar von den reinen Tierarten), die vierzig Tage und Nächte des Dauerregens, das elende Sterben um die Arche herum.

Und hier setzt unser heutiger Predigttext ein. 1. Mose 8, 1-12. Hier in der Hoffnung für alle Übersetzung.

Gott denkt an Noah

1 Aber Gott hatte Noah und die Tiere in der Arche nicht vergessen. Er sorgte dafür, dass ein Wind aufkam, der das Wasser zurückgehen ließ.
2 Die Quellen in der Tiefe versiegten, und die Schleusen des Himmels wurden verschlossen, so dass kein Regen mehr fiel.
3 Nach den hundertfünfzig Tagen ging das Wasser allmählich zurück,
4 und plötzlich – am 17. Tag des 7. Monats – saß das Schiff auf einem der Berge von Ararat fest.
5 Bis zum 1. Tag des 10. Monats war das Wasser so weit gesunken, dass die Berggipfel sichtbar wurden.
6 Nach weiteren vierzig Tagen öffnete Noah das Fenster, das er eingebaut hatte,
7 und ließ einen Raben hinaus. Der flog so lange ein und aus, bis das Wasser abgeflossen war.
8 Noah ließ eine Taube fliegen, um zu sehen, ob das Wasser versickert war.
9 Aber die Taube fand keinen Platz zum Ausruhen, denn die Flut bedeckte noch das ganze Land. Darum kehrte sie zu Noah zurück. Er streckte seine Hand aus und holte sie wieder ins Schiff.
10 Dann wartete er noch weitere sieben Tage und ließ die Taube erneut hinaus.
11 Sie kam gegen Abend zurück, mit dem frischen Blatt eines Ölbaums im Schnabel. Da wusste Noah, dass das Wasser fast versickert war.
12 Eine Woche später ließ er die Taube zum dritten Mal fliegen, und diesmal kehrte sie nicht mehr zurück.

Und noch einige Tage später fordert Gott Noah auf, jetzt die Arche zu verlassen, die Tiere freizulassen. "Nie mehr will [GOTT] wegen der Menschen die Erde verfluchen, obwohl sie von frühester Jugend an voller Bosheit sind.“ (1. Mo 8, 21). Und er schließt einen Bund mit den Noah und allen Menschen und Tieren „Diesen Bund schließe ich mit euch und allen Bewohnern der Erde, immer und ewig will ich dazu stehen. Der Regenbogen soll ein Zeichen für dieses Versprechen sein… diese Zusage gilt für alle Zeiten“ (1 Mo 9, 12+16).

Was für eine Geschichte. Eine Geschichte, die so wunderbar erzählt werden kann. Eine Geschichte, die alles bietet, was zu einem guten Buch oder Film gehört.

Bei Pfr. Johannes Taig habe ich den schönen Begriff von der „Immergeschichte“ gelesen. Er schreibt „Urgeschichten sind Immergeschichten. Die Geschichte von der großen Flut begreift jeder, dem das Wasser bis zum Hals steht. Unser Leben und die ganze Schöpfung sind noch lange nicht zu Hause. Chaos und Leid sind um uns… Kirche ist keine Sonderwelt.“  

Als ich mit der Vorbereitung zur Predigt begann fragte ich mich, wieso Noah zuerst einen Raben aussendet und danach mehrere Tauben. Haben die Zeitangaben eine besondere Bedeutung? Und überhaupt, wie passen so viele Tiere in so eine kleine Arche? Oder soll vielleicht die Neuschöpfung im Vordergrund stehen?

Antworten darauf gibt es viele.

Heinrich Tischner schreibt zu Rabe und Tauben: „Die Raben gelten in der Bibel als Beispiel der göttlichen Fürsorge: Obwohl sie nicht sammeln, ernährt sie der himmlische Vater doch (Lukas 12,24), und sie sind trotzdem in der Lage, den hungrigen Elia mit Brot und Fleisch zu versorgen (1, Kön 17.6). Der Rabe gilt wie die Taube in heidnischer Religion als Bote der Gottheit, könnte also auch hier eine Art Botenfunktion haben. Und schließlich denken wir daran, dass der Vogel ein uraltes Symbol für den Geist (die Taube für den heiligen Geist) ist.“

Ob die Zeitangaben von Bedeutung sind, darüber gibt es die unterschiedlichsten Theorien. Am ehesten ist vielleicht der Abstand zwischen dem Aussenden von Rabe und Tauben interessant: jeweils eine Woche, also sieben Tage. „Am siebten Tag hatte Gott sein Werk vollendet und ruhte von seiner Arbeit.“ (1. Mo 1, 2). Martin Rösel hat in seiner Bibelkunde des Alten Testaments festgestellt, dass eine befriedigende Aufschlüsselung der Chronologie derzeit nicht möglich scheint.

Und ob so viele Tiere überhaupt in die Arche passen? Ist das wirklich wichtig? Welche Tierarten gab es damals denn? Und ging es um alle Tierarten oder nur um die zoologischen Grundarten? Um Tierbabies oder ausgewachsene Tiere? Auch hier sind sich die Gelehrten auf keinen Fall einig. Mag sich also jeder selber eine Vorstellung mache, wie das in der Arche gewimmelt hat.

Und die Neuschöpfung?  Alles, bis auf die Archebesatzung, wird von Gott vernichtet, um einen Neuanfang zu ermöglichen. Immer da, wo Dinge zerbrechen, wo Altgewohntes zerstört wird beginnt auch etwas Neues. Ob in einer durch Scheidung auseinandergerissen Familie, ob durch Veränderungen am Arbeitsplatz oder durch einen neuen Pfarrer in der Gemeinde.
Bestimmt kann jeder hier sich an solch eine Situation erinnern und weiß um die Schwierigkeiten damit umzugehen.

Ich möchte lieber folgende drei Dinge in den Vordergrund stellen, die mir an der gesamten Sintflutgeschichte aufgefallen sind:

Noahs Name
Gottes Erinnern
Der Regenbogen

1. Noahs Name
Noah kommt aus dem Hebräischen und kann mit ‚ausruhen, beruhigen’ übersetzt werden. Die Bedeutung schwankt zwischen ‚beruhige dich (Gott)’, ‚der Tröstende’ und ‚der Ruhebringende’.
In der ganzen verderbten Welt war er ein rechtschaffener Mensch, der seinen Weg mit Gott ging.
Ich stelle mir vor, dass er der Ruhepol der Familie gewesen ist. Genau wie sein Name es verspricht. Inmitten der chaotischen Welt ist er es, der zusammenhält. Er ist es, der die anderen Familienmitglieder in den Arm nimmt und tröstet. Noah ist es, der Fürbitte bei Gott hält.

Ist diese Welt Noahs so großartig unterschiedlich zu der heutigen? Sicher, besonders der Stand der Technik war ein anderer. Manche Lebensweise erscheint aus heutiger Sicht rauer, brutaler und unbarmherziger. Die Existenzsorgen damals waren vermutlich weitaus lebensbedrohlicher, als es heute (zumindest in Heckinghausen) der Fall ist. Und doch gilt immer noch, was schon in Prediger 3 zum Ausdruck gebracht wird „Was immer sich auch ereignet oder noch ereignen wird – alles ist schon einmal da gewesen. Gott lässt von neuem geschehen, was in der Vergangenheit bereits geschah.“ Nur kommt es in einem anderen Gewand.
Viele von uns empfinden die heutige Zeit als schnelllebig. Im Arbeitsleben wird immer schneller, immer mehr verlangt. Stetige Bereitschaft, dauerhafte Empfangbarkeit, immerwährende Verfügungbarkeit gelten als unverzichtbar. Privat ist es wichtig auf allen Social-Media-Kanälen präsent zu sein und virtuelle Freundschaften zu pflegen. Gesellschaftlich soll ein Ehrenamt bekleidet und mit Ernst versehen werden, selbst kirchlich wird erwartet sich mehr persönlich einzubringen. Vom Familiären, von Ehe und Elternschaft und den hohen Ansprüchen daran mal ganz abgesehen. Wir sind eine Gesellschaft, die an alle Menschen höchste Ansprüche stellt, aber, so kommt es mir vor, regelmäßig an diesen scheitert und nicht mehr weiß, wie mit diesem Scheitern umzugehen ist.

Wie gut wäre es, jemanden wie Noah an unserer Seite zu haben. Einen, der Ruhe vermittelt in dieser hektischen Welt. Einen der uns tröstet, wenn wir wieder mal an den Ansprüchen dieser Welt gescheitert sind. Und vor allem einen, der für uns zu Gott spricht, ihn um Hilfe für unser Leben bittet. Ein ruhiger Tröster, der unsere Empfindungen vor Gott bringt.

Vielleicht aber dürfen wir uns daran auch ein Vorbild nehmen. Wo strahlen wir Noahs Ruhe aus, wo trösten wir andere und bringen ihre Bedürfnisse Gott nahe. Auf Noah sehen heißt, auf uns selber schauen. Von ihm lernen und für andere da sein. Nicht von oben herab, nicht überheblich, nicht besserwisserisch. Sondern als Fels in der Brandung des Lebens, als Halt im stürmischen Alltag, als Anker in Gottes Hafen.

2. Gottes Erinnern
„Aber Gott hatte Noah und die Tiere in der Arche nicht vergessen.“ Mitten in das stürmische Dunkel des Lebens auf der Arche fällt dieser Satz. Eine quälend lange Zeit ist Noah mit seiner Familie und den Tieren auf sich gestellt. Um sich herum nur Tod und Verderben. „Gott löschte das Leben auf der Erde völlig aus“ (1. Mo 7, 23).
„Aber Gott hatte Noah und die Tiere in der Arche nicht vergessen.“ Was für eine Zusage. Gott erinnert sich.

Für mich ist das eine herausragende Stelle in der Sintflutgeschichte. Hier zeigt sich für mich die Einmaligkeit Gottes. Hier zeigt sich seine dem Menschen zugewandte und barmherzige Liebe. Dann, wenn alles um mich herum vergeht, wenn ich nicht mehr weiß, wo oben oder unten ist, wenn mein gesamtes Leben am Boden liegt, dann erinnert sich Gott an mich.

Ach, könnte ich in all meinem Elend, in aller meiner Not mir immer wieder ins Gedächtnis rufen, das Gott sich meiner erinnert. Wenn mich Sorgen überfluten, wenn Krankheit oder Tod in mein Leben kommt, wenn meine Beziehungsfähigkeit auf dem Prüfstand steht und ich nicht weiter weiß, dann will ich mich selber daran erinnern (oder mindestens daran erinnern lassen), das Gott sich meiner erinnert. Und so, wie „Er…dafür [sorgte], dass ein Wind aufkam, der das Wasser zurückgehen ließ.“, so will ich darauf vertrauen, das sich auch mein Leben wieder beruhigt, das mein Lebensmeer glatt und ohne nennenswerte Wellen vor mir liegt.

Ich weiß, dass das eine große Herausforderung ist. In meiner eigenen Begrenztheit erkenne ich gerade dann, wenn ich in einer Krise bin, nicht die Barmherzigkeit Gottes. Gerade dann bin ich oft am weitesten von ihm entfernt. Aber ich darf sicher sein, das er es ist, der sich meiner erinnert. Er ist es, der mich durch die Krisen trägt. Da wo nur eine Spur im Sand meines Lebens zu sehen ist, da trägt Gott mich. Gottes Erinnern trägt mich.



3. Der Regenbogen
Und als ob das Erinnern Gottes und sein anschließendes Versprechen einen „Bund schließe ich mit euch…immer und ewig will ich dazu stehen“ nicht reichen schenkt er uns den Regenbogen als Zeichen. Der Regenbogen soll ein Zeichen für dieses Versprechen sein. „Wenn ich Wolken am Himmel aufziehen lasse und der Regenbogen darin erscheint, dann werde ich an meinen Bund denken, den ich mit Mensch und Tier geschlossen habe: Nie wieder eine so große Flut! Nie wieder soll alles Leben auf diese Weise vernichtet werden! Ja«, sagte Gott, »diese Zusage gilt für alle Zeiten, der Regenbogen ist das Erinnerungszeichen. Wenn er zu sehen ist, werde ich daran denken.“ (1. Mo 9, 13-17)

Ich denke, dass kaum jemand unter uns sich dem Anblick eines Regenbogens entziehen kann. Viele zücken vermutlich die Kamera (oder das Smartphone), um ihn zu fotografieren. Unzählige Bilder werden sich in Fotoalben finden lassen.

In Liedtexten hat er Einzug gehalten. Wer kennt nicht ‚Somewhere over the rainbow’ aus dem Zauberer von Oz oder Juliane Werdings ‚Kinder des Regenbogens’.

Der Regenbogen beeindruckt. Er weckt in uns eine gefühlvolle Seite. Lebenslang. Wir können uns dem nicht entziehen. Lasst uns dankbar dafür sein. Jedes Mal, wenn wir einen Regenbogen sehen dürfen wir uns von Gott an seine Zusage erinnern lassen. Wir dürfen uns erinnern, dass er uns niemals loslässt. Gott rührt unser Herz an.

Und das, obwohl wir Menschen uns seit Adams Zeiten nicht verändert haben. Gott vernichtete mit der Sintflut alle Verderbtheit, so hoffte er. Mit Noah, dem einzig Rechtschaffenen und seiner ganzen Familie. Und doch stellt Gott auch hier schließlich fest, dass „sie von frühester Jugend an voller Bosheit sind“ (1. Mo 9, 21). Auch Noah und seine Nachfahren machen bald da weiter, wo seine Vorfahren aufgehört haben. Einen weiteren Bund schließt Gott dann in Jeremia 31,31-33: „So spricht der HERR: Es kommt die Zeit, in der ich mit dem Volk Israel und dem Volk von Juda einen neuen Bund schließe. Er ist nicht mit dem zu vergleichen, den ich damals mit ihren Vorfahren schloss, als ich sie bei der Hand nahm und aus Ägypten befreite. Diesen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich doch ihr Herr war! Der neue Bund, den ich dann mit dem Volk Israel schließe, wird ganz anders aussehen: Ich schreibe mein Gesetz in ihr Herz, es soll ihr ganzes Denken und Handeln bestimmen. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.

Wir wissen heute, dass auch dieser Bund nicht dazu führte, dass alle Menschen sich an Gott halten. Aber wir wissen auch, dass Gott nicht daran verzweifelt. Er sendet letztlich seinen eigenen Sohn. Lässt ihn stellvertretend jämmerlich am Kreuz sterben für unser Unvermögen nach Gottes Vorstellungen zu leben.

Kann es einen größeren Ausdruck von der Liebe Gottes zu uns Menschen geben?

Lasst uns gezielt auf Regenbogensuche gehen. Als Hoffnungszeichen in dieser Welt. Als Anker in der Zeit.

Als Heil von Gnad und lauter Güte.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus unseren Herrn.
 

Samstag, 13. Januar 2018

Winter im Allgäu

Moin zusammen,

Impressionen von Winterwanderungen rund um Oberstdorf.
Unter anderem geht es zur Gaisalpe, nach Spielmannsau und zum Sonthofer Hof.
Auch Fischen und Obermaiselstein sind dabei.





Genießt einen wunderschönen Abend damit.

Fröhliche Grüße
Bernd

Montag, 1. Januar 2018

Zum Jahresbeginn

Moin zusammen,

"Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst" (Offb 21,6)

In diesem Sinne


Fröhliche Grüße
Bernd