Sonntag, 10. Januar 2016

Jesus liess sich taufen



Moin zusammen,

auch in diesem Jahr - ein gesegnetes Jahr 2016 wünsche ich euch - gibt es wieder einiges zum Lesen und zum Nachdenken von mir.
Heute die aktuelle Predigt aus Heckinghausen.
Warum lässt sich Jesus als Jude taufen? 

Und wer mag kann gerne seinen Kommentar dazu hinterlassen.

Fröhliche Grüße
Bernd

Lieber Vater, schenk uns ein Herz für dein Wort und dein Wort für unser Herz. Amen

Liebe Gemeinde,

Na? Erholt von den Feierlichkeiten? So langsam kehrt ja wieder Normalität ein. Der Weihnachtsbaum ist abgeschmückt, Schule hat begonnen, die erste Arbeitswoche vorbei.

Jetzt kann das Neue Jahr so richtig beginnen.

Im heutigen Predigttext beginnt auch etwas. In Matthäus 3, die Verse 13-17. Neue Genfer Übersetzung.

Die Taufe Jesu

13 Auch Jesus kam aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen.
14 Johannes wehrte sich entschieden dagegen: »Ich hätte es nötig, mich von dir taufen zu lassen, und du kommst zu mir?«
15 Aber Jesus gab ihm zur Antwort: »Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert.« Da willigte Johannes ein.

16 In dem Augenblick, als Jesus nach seiner Taufe aus dem Wasser stieg, öffnete sich über ihm der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen.
17 Und aus dem Himmel sprach eine Stimme: »Dies ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude.«

Gerade haben wir noch Jesus Geburt gefeiert und nun sind wir schon zu Gast bei seiner Taufe. Und was ist alles schon in seinem Leben geschehen: Flucht nach Ägypten, Rückkehr in seine Heimat, Ausbildung zum Zimmermann. Nur einmal, als Zwölfjähriger im Tempel, blitzt kurz auf, dass vielleicht doch mehr in ihm steckt, als man vermuten könnte. Und jetzt wird uns schon von seiner Taufe berichtet.
Klar, Taufe, sich zu Gott bekennen. Für uns als Christen durchaus verständlich.

Doch Moment. Was soll die Taufe denn bei Jesus. Er war doch per Geburt schon Jude. Und für Juden gab es eine Taufe doch gar nicht.
Stimmt. Und doch wieder nicht ganz.

Die Taufe hat keine jüdische Tradition. Nach jüdischem Verständnis sind die Juden das auserwählte Volk. Und Angehörige des auserwählten Volkes gehören zu Gott, haben Anteil an der göttlichen Erlösung. Insofern bedürfen sie keiner Taufe.
Allerdings gab es Menschen, die von der jüdischen Religion so angetan waren, dass sie selber dazugehören wollten und deshalb zum Judentum übertraten. Diese Proselyten, wie sie genannt werden, wurden dann getauft. Und zwar sollten durch die Taufe die Sünden abgewaschen werden. Deshalb wurden sie auch im Wasser ganz untergetaucht. Und nach dieser Taufe gehörten sie zur Gemeinschaft der Juden. Diese Form der Taufe kannten die Juden also.
Eine weitere Form der Taufe war die Bußtaufe. Zunächst nicht als Taufe verstanden, sondern als reinigendes Ritualbad, angelehnt an 2. Könige 5 wo beschrieben wird, wie der aussätzige Naaman auf Anweisung des Propheten Elisa sich siebenmal im Jordan wäscht (Vers 14: „Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben und er wurde rein“).
Und ähnlich dieser Bußtaufe tauft Johannes der Täufer. Deshalb ruft er zur Umkehr auf. Deshalb verlangt er, das sich Gottes gute Gebote im Leben jedes Menschen widerspiegeln: Mat 3, 8 „Bringt Frucht, die zeigt, dass es euch mit der Umkehr ernst ist“.

Jesus selber werden diese Taufdeutungen bewusst gewesen sein. Aber er war weder ein Proselyt noch ein Unreiner. Und Umkehr hatte er auch nicht nötig. Jesus ist kein Sünder. Jesus ist ohne Schuld.

Warum also lässt er sich trotzdem taufen? Auch gegen den Willen von Johannes.

Ich möchte fünf kurze Gedanken dazu mit euch teilen und in einem sechsten Punkt überlegen, welche Veränderungen das für uns heute bedeuten kann.


1. Er stellt sich an unsere Seite

In Esra 9, 6 heisst es: „Mein Gott, ich schäme mich und scheue mich, meine Augen aufzuheben zu dir, mein Gott; denn unsere Missetat ist über unser Haupt gewachsen, und unsere Schuld ist groß bis an den Himmel.“
Und in Nehemia 1, 6 steht „[ich] bekenne die Sünden der Israeliten, die wir an dir getan haben; und ich und meines Vaters Haus haben auch gesündigt.“
Esra und Nehemia haben stellvertretend für das jüdische Volk Gott ihre Sünden bekannt. Sie sind nicht außen vor, wollen nicht anders behandelt werden. Sie gehören dazu, mit allen Konsequenzen.

Auch Jesus gehört dazu. Er gehört zu den Menschen. Selbst als Sohn Gottes. Er ist keine Ausnahme, er will keine Ausnahme. Obwohl er nie Sünder ist stellt er sich in eine Reihe mit uns Sündern.
Menschlich unvorstellbar. Wer von uns gibt schon gerne einen Vorteil auf, wer nimmt Schuld auf sich, ohne schuldig zu sein.
Aber Jesus ist eben Gottes Sohn – und Mensch!
Gottes Gerechtigkeit, seine Vorstellung von gelingendem Leben ist anders als es für uns Menschen begreiflich ist.



2. Er bekennt sich öffentlich

Wir haben gerade Weihnachten gefeiert. Den Tag, an dem der Engel Gottes sagte „Heute ist euch der Retter geboren“ (Lk 2,11). Den Tag, an dem Gott uns Menschen sagen lässt „Fürchtet euch nicht“. Öffentlich wird Jesus Geburt angekündigt und verbreitet. Die Hirten haben es zuerst gehört und weitergesagt. Aber so richtig glauben kann das damals wohl keiner. Als Zwölfjähriger tritt er dann einmal in Erscheinung. Im Tempel sitzt er mit den Männern zusammen und spricht über die Thora. Aber ansonsten ist er mit seiner Familie zusammen, hilft seinem Vater, wird selber Zimmermann.
Und erst jetzt, mit ca. 30 Jahren, spricht er vor vielen Menschen, antwortet auf Johannes Weigerung ihn zu taufen: „Es ist richtig so“ weil er weiß, dass er Gottes Sohn ist und jetzt sein öffentliches Wirken beginnt.

3. Er kennt seinen Weg

Und seine Antwort geht noch weiter „denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert“
Jesus kennt seinen Weg. Er weiß, warum er in unsere Welt gekommen ist. Das Gottes Gerechtigkeit von ihm auch den Tod am Kreuz fordern wird ist ihm bewusst. So wie er unsere Sünden auf sich nehmen wird, so wäscht er sie in der Taufe ab. Schon ein Hinweis auf das, was kommen wird. „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mat 28, 19)



4. Er erfüllt alttestamentliche Vorhersagen

Du bist mein Sohn“ heißt es in Psalm 2,7. Und in Jes 42,1 steht „mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat“.
Zusammengenommen ist es genau das, was in unserem Predigttext steht „Dies ist mein geliebter Sohn, an ihm habe ich Freude.“
Das, was im Alten Testament immer wieder vorkommt, der Hinweis auf den Messias, den Heiland, den Retter der Welt bündelt sich am Ende von Jesus Taufe.
Da ist die Stimme aus dem Himmel. Was müssen die Umstehenden geschaut haben. Aller Wahrscheinlichkeit nach waren es ja vor allem Juden, die zu Johannes gingen. Und denen waren diese alten prophetischen Worte nicht unbekannt. Im Gegenteil, sie warteten doch schon so lange auf den Messias. Und jetzt das. So ein Zeichen, so eine Offenbarung.
Keiner wird damit gerechnet haben, aber jeder hat es gesehen.

5. Er gehört zur Dreieinigkeit

Vater, Sohn, Heiliger Geist.
Mein geliebter Sohn“ sagt der Vater über den Sohn und lässt sichtbar „wie ein Taube“ den „Geist Gottes“ auf ihn kommen nach der Taufe.
Das, was es uns Menschen oft so schwer macht Gott zu verstehen, wird hier ganz kurz zusammengefasst.

Gott ist der Schöpfer aller Dinge.

Er zeigt sich als:
Vater von Jesus Christus.
Jesus, der Sohn ist Mensch gewordener Gott.
Heiliger Geist, Begleiter im Leben.

Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist.



6. Er verändert uns

Jesus Taufe ist der Beginn von etwas Neuem. Sein Leben verändert unser Leben. Geburt, Taufe, Versuchung, Lebenshilfe, Tod und Auferstehung. Auch wir hören in unserem Leben die Stimme Gottes. Daher wissen wir, dass er an unserer Seite steht. Dass er mit uns durch das Leben geht.
Aber wissen ist eben nicht alles. Wissen heißt nicht, das wir es auch in unserem Leben umsetzen können.
So fällt es manchmal schwer, sich öffentlich zum Glauben zu bekennen. Uns zu ihm zu bekennen. Auch sind unsere Wege nicht immer so gradlinig. Immer wieder weichen wir von dem ab, was Gott sich für uns als Lebensweg vorstellt.

Gut, das Jesus für uns in diese Welt gekommen ist. Gut das er unsere Schuld auf sich genommen hat. Nicht als Freibrief, sondern als liebevolle, barmherzige Unterstützung. „26 Ihr alle seid also Söhne und Töchter Gottes, weil ihr an Jesus Christus glaubt und mit ihm verbunden seid.“ sagt uns Paulus im Galaterbrief 3 zu. „27 Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, habt ein neues Gewand angezogen – Christus selbst. 28 Hier gibt es keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Griechen, zwischen Sklaven und freien Menschen, zwischen Mann und Frau. Denn durch eure Verbindung mit Jesus Christus seid ihr alle zusammen ein neuer Mensch geworden. 29 Wenn ihr aber zu Christus gehört, seid ihr auch Nachkommen Abrahams und seid damit – entsprechend der Zusage, die Gott ihm gegeben hat – Abrahams rechtmäßige Erben.

Dann wollen und sollen wir doch dieses Erbe auch gerne antreten.

Denn:


Du hast zu deinem Kind und Erben,
mein lieber Vater, mich erklärt;
du hast die Frucht von deinem Sterben,
mein treuer Heiland, mir gewährt;
du willst in aller Not und Pein,
o guter Geist, mein Tröster sein. (EG 200,2)

Lassen wir uns darauf ein dieses Jahr jeden Tag neue, spannende Entdeckungen mit Jesus in unserem Leben zu machen.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus unseren Herrn.